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Ich trinke gerade kein Bier!

Erinnert sich jemand an den ersten Teil von Ice Age? Beim Gang durch den Schnee teilt Sid seinen Kameraden mit, dass sich seine Füße ungewöhnlich warm anfühlen, worauf ihm Manni das Mammut mürrisch antwortet:
"Bekommen wir jedes Mal 'ne Sondermeldung wenn Dein Körper irgendwas macht?"

Zwei Meldungen lassen einen zur Mitte dieses Wochenendes daran denken:
In der ersten widmet unter anderem Spiegel Online einer 19jährigen Britin einen Artikel, da sie ihre Bewerbung für die Universität in Oxford zurückzog und dies den Verantwortlichen in einem satirischen Brief mitteilte.
Zum anderen ist da natürlich der Ex-Politiker und Doktor a.D. Guttenberg, der der verdutzten Öffentlichkeit nun preisgab, vorerst nicht wieder in die Politik zurück zu wollen.

Die Chancen der Britin kann ich schlecht bewerten, und auch der Baron dürfte in Deutschland noch immer mehr Zustimmung* genießen, als es einem für einen Wissenschaftsstandort lieb wäre.

Und doch fragt man sich, ob wir ab jetzt jedes Mal eine Sondermeldung kriegen, wenn irgendwer irgendwas aufregendes nicht tut.







*Ich persönlich wäre mit einer Rückkehr sogar einverstanden, wenn der Naalicher Ozünder dann seinen Ministerposten wieder zurückgeben müsste
21.1.12 22:50




Verprügelte U-Bahnen

Döner mit alles? Lamm oder Hähnchen? Kräuter- oder Knoblauchsoße?
Wer einmal Kunde in einem türkischen Schnellimbiss war, wird die Fragen kennen, mit denen man dort konfrontiert wird. Die Gestaltungsmöglichkeiten varrieren, meine bis heute ungeschlagene Lieblingsbude hat beispielsweise fünf Soßen zur Auswahl, dafür jedoch nur eine Sorte Fleisch, anderswo gehört das Überstreuen der Chiliflocken zum optionalen Service.
Was ich bisher in keiner Bude von Göteborg bis Heilbronn gefragt wurde, ist, ob das Tier im Fladenbrot tot oder lebendig sein soll. Von einigen Skandalen ums Gammelfleisch abgesehen ist die Sache eigentlich klar:
Döner kann man nicht morden, Döner ist schon tot.

Insofern ist es schon verwunderlich, wenn die "Sprachkritische Aktion Unwort des Jahres" die "Dönermorde" zum Unwort des Jahres gekürt und damit immerhin auf eine Stufe mit "ethnischen Säuberungen" und der "Überfremdung" gestellt hat.
Die Argumentation: Die Opfer würden auf ihre Herkunft reduziert, ausgegrenzt, diskriminiert. Das von den Medien erfundene Schlagwort soll sogar seinen Teil dazu beigetragen haben, dass die polizeilichen Ermittlungen erst so spät in die richtige Richtung gingen. Und extrem scharfsinnige Kommentatoren setzen noch eins drauf mit jener tiefgründigen Frage, ob denn da ein Döner getötet wurde oder als Tatwaffe verwendet wurde.

Eigentlich komisch: In Erlangen wurde 1999 eine Arzthelferin in einer Tiefgarage erstochen. Bis heute ist kein Mörder verurteilt worden, und bis heute beschäftigt der Fall immer wieder Justiz und Presse. Das alles unter dem Namen "Tiefgaragenmord". Ich habe so manche aufgeregte Diskussion über die Geschichte erlebt - um den Namen ging es allerdings nie.

Gleiches gilt für die Verprügelungsaktionen, die vor einigen Monaten die Republik in Atem hielten. Ob München, Hamburg oder Berlin: Die Taten tragen den Namen "U-Bahn Schlägereien", obwohl sie weder von U-Bahnen angezettelt wurden noch gegen diese gerichtet waren. Genaugenommen haben sie nicht einmal in einer U-Bahn stattgefunden.

Dass mich niemand falsch versteht: Der Begriff "Dönermorde" ist dämlich. Das hängt vor allem damit zusammen, dass von den neun Opfern nur zwei tatsächlich in einer Dönerbude arbeiteten. Auch wenn ich kein Freund von Bodycounts bin, der Begriff "Gemüsemorde" wäre ebenso berechtigt gewesen.

Dann jedoch - und darauf gehe ich jede Wette ein - hätte sich garantiert jemand beschwert: Ein solcher Begriff hätte nämlich die Herkunft des Großteils der Opfer verschwiegen und damit den möglichen rechtsextremen Hintergrund weiter verschleiert. Diese Gefahr zumindest bestand bei "Dönermorde" nicht.

Ich will hier gar nicht vom hohen Ross herunter urteilen: Als ich damals das erste Mal gelesen hatte, dass es eine Mordserie an überwiegend "türkischen Kleinunternehmern" gebe, habe auch ich hinter der Formulierung eine politisch korrekte Umschreibung für Dönerbudenbesitzer vermutet. Dass Türken vor allem am Spieß arbeiten, ist ein Klischee - genauso wie die Klischees des teetrinkenden Briten, des weinschlürfenden Franzosen, dem holzbeschuhten Holländer und dem fetten Ami mit der Flagge im Vorgarten, der die hundert Meter zum McDonalds mit dem SUV zurücklegt. Andersrum wird man als Deutscher gerne mit einem wampigen Lederhosenträger assoziiert, der mit einem Maßkrug in der Rechten und einer Brezel in der Linken fröhlich auf seinen Schweinebraten schielt.

All diese Klischees mögen eine verengte Sicht der Dinge offenbaren. Es mag auch tatsächlich eine Minderheit von Hintlerwäldlern geben, die tatsächlich glauben, jenseits des Horizontes würden die Menschen alle gleich aussehen, reden und handeln.
Ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz einmal sagen werde: Aber ich glaube, die Mehrheit ist schlauer.
20.1.12 23:52


Stuttgart Reloaded

Stuttgart versucht verzweifelt, sich gegen den erneuten Abstieg ins mediale Nirwana zu stemmen. Ein paar Parkschützer sitzen vor den Bäumen und lassen sich wegtragen, zwei davon werden festgenommen. Da das allerdings alles ohne öffentliche Empörung, schwere Verletzungen oder Anrufe bei Chefredakteuren abgelaufen ist, gingen die Meldungen irgendwie unter.
Vorbei die Zeiten, wo man den schwäbischen Dialekt fast täglich in den Nachrichten hören konnte. Die einzige Frage, die noch ungeklärt ist (und die den ganzen Zirkus irgendwann mal hervorgerufen hat...), ist die nach den Kosten:
Es gibt da so gewisse Posten auf der Rechnung, von denen konnte man vor Baubeginn noch gar nichts wissen. Nun, kurz vor Baubeginn, hat man bemerkt: Die Kiste wird wesentlich teurer als gedacht. Dummerweise hat man anhand der alten, niedrigeren Summe ausgehandelt, wer wieviel zahlen muss. Und wer kommt nun für die zusätzlichen Ausgaben auf?
Für viele ist klar, das muss die Bahn machen.
Dafür demonstrieren sie. Weil sie als Steuerzahler nicht für die Planungsfehler der Bahn haften wollen, reisen sie teils von weit her an, um dafür zu plädieren, dass die Verantwortlichen für ihre Fehler gefälligst selber gerade stehen.
Das Dumme ist nur: Wer ist eigentlich "Die Bahn"? Die Lockführer und das Personal? Schlechte Idee, wenn die zur Kasse gebeten werden, streiken die wieder und legen den Verkehr komplett lahm, außerdem können die ja auch nix für die Fehler.
Diejenigen, die Stuttgart21 geplant haben? Wäre fair, aber so viel Geld haben selbst die nicht in der Portokasse. Und mal ehrlich, wenn Sie glauben, dass Ex-Chef Mehdorn einen Vertrag hatte, in dem die Boni in irgendeiner Form gefährdet werden könnten - wovon träumen Sie dann eigentlich nachts?
Und so bleibt eigentlich nur noch eine Gruppe, die für den Schaden aufkommen kann. Die von weither angereisten Demonstranten wundern sich, wer das wohl sein könnte, während sie im Kopfbahnhof Stuttgart so langsam ihre Tickets nach Hause lösen - und des Rätsels Lösung dabei näher sind als vermutet.

Insofern wäre es eigentlich sogar fair, wenn die Steuerzahler Baden Württembergs für die Misere aufkommen würden. Denn die haben nicht nur den meisten Spaß mit dem neuen Bahnhof - nein, sie sind auch die einzigen, die man überhaupt gefragt hat.
15.1.12 21:37


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