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Aaand it's over - 2012 Teil II

April
Der April lässt sich traditionellerweise in kein Schema pressen:
In Myanmar gibt es nach langen Jahren wieder mal sinnvolle Wahlen, die der Oppositionsführerin Suu Kyi erstaunlichen Auftrieb verschaffen. In Afghanistan versucht die Opposition - in Form der Taliban - ebenfalls eine Frühjahrsoffensive. Ihre deutschen Glaubensgenossen sind genauso eifrig dabei, neue Anhänger zu gewinnen, kriegen es aber nichtmal hin, Bücher zu verteilen. Um die literarische Lücke zu schließen, eilt Günter Grass zur Hilfe und veröffentlicht in einer der größten Tageszeitungen Deutschlands ein Gedicht, in welchem er beklagt, dass man nichts gegen Israel sagen darf.
Da man nicht mehr weiter weiß, gründet man einen Arbeitskreis, beziehungsweise beruft eine Islamkonferenz ein. Nach dem alten Muster - pummeliges Mädchen sucht sich dicke Freundin, um attraktiver zu wirken - umgibt sich Friedrich mit Leuten, deren Ansichten noch verquerer sind als seine. Zumindest bei mir hats nicht geklappt, ich bin immer noch kein Fan des Naalicher Ozünders. Vielleicht sollte das Innenministerium mal Bücher verteilen.
Zeit, sich höherem zuzuwenden: Dem Luftraum zum Beispiel. Der bleibt künftig über Frankfurt relativ ruhig, und - zumindest könnte man das meinen - in Nordkorea ebenfalls. Denn während die hessische Wutbürgä ein Nachtflugverbot durchsetzen erweist sich der erste Raketenversuch der Kommunisten als überdimensionierte Arschbombe. Ob Fischerboote nassgespritzt wurden, ist allerdings nicht überliefert.

Mai
Es. Wird. Ge. Wählt. Nordrhein-Westfalen (Freude für Kraft). Schleswig Holstein (Es war schlichtweg Liebe). Griechenland (Es war schlicht weg). Frankreich (Da fällt mir nix ein). Ägypten.
Norbert Röttgen - durch Freudsche Versprecher der wohl ehrlichste Politiker im Kabinett, wird aus selbigem entfernt, während man in Griechenland schon sicher ist, überhaupt keines bilden zu können.
Während in den USA der Prozess um 9/11 beginnt, springen die Radikalen in Deutschland über jedes Stöckchen, dass man ihnen hinhält: Pro NRW provoziert, und ein Salafist versucht, einen Polizisten zu erstechen. Korane verteilt mal wieder keiner.
Gibt ja aber auch andere tolle Bücher - zum Beispiel das neue vom Thilo. Der schneidet mal wieder eines von diesen "Das wird man jawohl noch sagen" - Themen an, schafft es aber nicht mehr, die Gesellschaft allzu sehr zu entzünden. Vielleicht, weil es diesmal gegen Geld geht, und er behauptet, dass man das nicht braucht. Das unterschreibt natürlich keiner so einfach.
Und so behalten auch viele Anleger ihre Kröten, anstatt sie beispielsweise in Facebookaktien zu investieren. Zuckerberg geht mit seiner Erfindung endlich an die Börse und stürzt dabei erstmal deftig ab, ohne dass sich so.cl wirklich durchsetzen kann. Wer jetzt keine Ahnung hat, was so.cl sein soll, bestätigt damit nur meine These.
Ansonsten stehen nur noch zwei Punkte auf der Liste: Die Hells Angels werden in Norddeutschland hochgenommen beziehungsweise sie lösen sich selber auf. Gleichzeitig wird die Organspende reformiert, um mehr Spender zu erreichen.
Einen Zusammenhang will ich hier mal nicht herbeispekulieren...

Juni
Wir haben ja schon länger nichts mehr von Dirk Niebel gehört. Das ist konsequent: Das Amt, das er innehat, wollte seine Partei eigentlich mal abschaffen.
Warum sie es dennoch erhalten haben, wird im Juni klar: Man kann als Entwicklungsminister 1A Teppiche schmuggeln. Also...könnte man meinen. War natürlich kein Schmuggel. Und die Steuer hat er ja auch nachgezahlt, als man ihn darauf hingewiesen hat. Ein Modell, das seine Partei ja auch für die Steuerhinterzieher mit den Schweizer Konten vorsieht. Wir stellen fest: Der Mann ist durch und durch konsequent.
Damit steht er allerdings alleine da: Gauck beispielsweise beginnt sein öffentliches Wirken mit der Aussage, dass der Islam nicht zu Deutschland gehöre. Die Muslime natürlich schon. Die Moscheen stehen ebenfalls unwiderlegbar auf deutschem Boden, der Koran wird hier sowieso längst gedruckt und der Einfluss des Islams ist hierzulande natürlich an der Tagesordnung. Kurz: Alles, was mit dem Islam zu tun hat, gehört selbstverständlich zu Deutschland, er selber aber logischerweise nicht. Weil das ja klar ist.
Die meisten Deutschen feiern Gauck für diese Klarstellung. Allerdings feiern die meisten Deutschen im Juni sowieso, denn endlich ist es wieder soweit: Der kollektive Vollrausch unter der Woche ist gesellschaftsfähig! Deutschland wird Europameister! Also...beinahe.
Viele Städte wollen wieder einmal Fanmeilen einrichten, stolpern dabei jedoch über die Sicherheitsbestimmungen. Die gelten zwar schon einige Jahre, werden aber erst seit der Katastrophe von Duisburg beachtet...
Und so verlegt Bremen seinen Public Viewing-Standort vom Domshof an einen Hafen, weil man offensichtlich den Fluchtweg übers Wasser für die gläubigsten der Fussballfans mitrechnet. Birdy arbeitet bei vier von fünf deutschen Spielen dort und macht die wunderbare Erfahrung, dass einem selbst die Toten Hosen irgendwann einmal auf die Nüsse gehen können.
Alles andere ist unwichtig: Die Asse wird angebort, Mubarak geht lebenslänglich in den Knast, Mursi wird Präsident, Russland verschärft sein Demonstrationsrecht, in Syrien spricht man vom "Bürgerkrieg", das Meldegesetz wird durchgepeitscht, die OECD warnt vor den Folgen des Betreuungsgeldes auf die Integration, Deutschland verkauft Panzer an Saudi Arabien, ein betrunkener Russischer Polizist entführt ein Flugzeug, Windows 8 wird eingeführt, der BND kriegt seinen Umzug nicht gebacken...- moment mal, was war das mit dem Meldegesetz?
Ach ja, genau. Ein Glanzstück der Demokratie, das sich die gut 30 Abgeordneten da leisten: In 57 Sekunden wird ein Gesetz verabschiedet, und hinterher wills wieder keine gewesen sein - was streng genommen ja sogar stimmt. Erfahren tut man davon hinterher durch die Presse, weil die Opposition leider auch am Fussi gucken war. Am Ende kippt der Bundesrat die ganze Geschichte und die Abgeordneten versprechen, nie wieder während solcher Abstimmungen Europameisterschaftsspiele anzugucken. Mindestens bis 2015!
Ebenfalls wird - natürlich nur mit großen Bauchschmerzen - der ESM auch von weiten Teilen der Opposition goutiert. Hier zeigt sich, dass es doch eine gute Wahl von Voßkuhle war, dem Pfaffen den Vortritt auf den Bundespräsidentenstuhl zu lassen - denn sein Verein, das Bundesverfassungsgericht, beginnt mit der Prüfung dieses Gesetzes und lässt sich da auch nicht hetzen. Am Ende wird der Schirm natürlich trotzdem aufgespannt, aber es ist schon ein bisschen beruhigend, dass wenigstens ein kleiner Teil der Gewaltenteilung noch funktioniert.
Ansonsten...es wird mal wieder gewählt, diesmal in Frankreich und Griechenland, die sozialen Netzwerke geraten ins Visier der Schufa, Schlecker macht dicht und der Berliner Flughafen nicht auf.
Und damit die Jahreshälfte mit einer positiven Meldung endet, gibt es einen Großeinsatz der Polizei wegen eines vermissten Kindes. Am Ende stellt sich heraus, dass der Elfjährige nicht in fremde Autos gestiegen ist, sondern sich wegen seiner schlechten Noten nicht nach Hause getraut hat.
Ob es trotzdem eine Watschen gab, ist nicht bekannt.
30.12.12 13:36


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Aaand it's over - 2012 Teil I

War's das schon wieder? Echt schon vorbei?
Kaum hat 2012 angefangen, schon ist auch Weihnachten vorbei und Silvester steht vor der Tür. Der eine Tag im Februar hat's mal so überhaupt nicht rausgerissen, und die Zeitumstellung im Oktober, die wenigstens eine weitere Stunde hätte beisteuern können, wurde von der im März neutralisiert.

Und doch, es ist erstaunlich viel passiert, was den Blick zurück durchaus sinnvoll macht. Kommen Sie mit auf eine Reise in die Vergangenheit, in eine Zeit, die gar nicht so fern von der jetzigen ist und doch nie wieder zurückkehren wird.
Kommen Sie mit - auf einen aufregenden Ritt durch das vergangene 2012!

Januar
Völlig unerwartet erreicht uns am ersten Januar um Mitternacht die Nachricht: 2011 ist vorbei. Spontan hat sich 2012 bereiterklärt, befristet das Ruder zu übernehmen. Vor Freude fallen sich überall in der Zeitzone die Menschen um den Hals, stoßen mit pappsüßem Sekt an und schießen pyrotechnische Gegenstände in die Luft bzw das Fenster der Nachbarn. Nach etwa einer Stunde ist der größte Trubel vorbei, die ersten Häuslebesitzer kehren den Schutt zusammen, zwischen dem schon die ersten Vorsätze liegen.
Weniger Lügen, öfter mal bei Freunden anrufen, der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen: Das sind die Vorsätze, die gehalten werden.
So verabschiedet Frankreich ein Gesetz, welches das Leugnen von Völkermord unter Strafe stellt. Die Türkei weiß, wer damit gemeint ist: Hier gilt seit Jahrzehnten jede Erwähnung des Massakers an den Armeniern als "Beleidigung des Türkentums". Ein paar Streitereien später ist klar: Wird nix. Ein solches Gesetz ist mit der in der französischen Verfassung garantierten Meinungsfreiheit nicht vereinbar - und französische Verfassungsrichter werden künftig vom Verfassungsrichteraustauschprogramm vom BVG ausgeschlossen.
Wulff dagegen meldet sich mal wieder bei seinem alten Kumpel Diekmann. Der ist grade allerdings auf dem Pott, weshalb der Christian beim Kai eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlässt.
Blöd für Wulff, denn jetzt ist aufgezeichnet, wie er seinen Spezl bedroht und bekniet, doch gewisse Dokumente zu seiner Kreditaffäre zurückzuhalten. Ein Angriff auf die Pressefreiheit! Ein absoluter Tabubruch im Umgang mit den Medien! Plötzlich bekommt die Bildzeitung Zuspruch von der gesammelten Konkurrenz, und nur Birdy wundert sich, woher Wulff eigentlich Diekmanns Privatnummer hätte, wenn ein gewisser Kontakt im Sinne eines unausgesprochenen Tit for tat nicht schon vorher bestanden hat.
So langsam wird "wulffen" zu einem Synonym für das Abstauben von Sonderleistungen und es wird deutlich, dass dieser Präsident wohl nicht mehr allzu lang haltbar ist. Wenigstens droht ihm nicht das Schicksal von Ägyptens Ex-Kapo Mubarak, dessen Prozess ebenfalls im Januar beginnt.

Ansonsten steht der Januar im Zeichen des Willens: Das ägyptische Volk will die Muslimbrüder an der Macht sehen, das Volk von Stuttgart will den unterirdischen Bahnhof, amerikanische Soldaten wollen in Afghanistan ihren Harndrang nicht mehr unterdrücken, nur weil sie vor Leichen stehen, Ungarn will die Pressefreiheit beschneiden, Kapitän Scettino will seinen Fahrgästen die Inseln mal aus der Nähe zeigen und die Deutschen Politiker wollen die Vorratsdatenspeicherung. Bis auf den letzten Punkt konnten die Akteure ihren Willen durchsetzen, doch der dauert an. Und das, obwohl gerade im Januar eine Studie des Max-Planck-Institutes ergeben hat, dass die Vorratsdatenspeicherung in den Ländern, in denen sie eingeführt wurde, keinerlei positive Effekte hatte.
Aber gut, was stören uns Fakten. Dass jene Soldaten ihren Wunsch erfüllt bekamen war ja auch nicht gerade sinnvoll, da dürfen wir auch mal weg von der ständigen Rationalität.

Februar
Es wird demonstriert, es wird randaliert. In Deutschland geht es recht friedlich zu bei den Aktionen gegen Acta, während man sich in Ägypten allein wegen des Fussballs die Köpfe einschlägt. In Moskau gibt es Proteste gegen Putin, "Pussy Riot" werden verhaftet. Ein amerikanischer Prediger kündigt an, den Koran zu verbrennen, was wiederum zu Stress in der arabischen Welt führt.
Bei dieser Nachrichtenlage ist es natürlich schwierig, seinen Namen in den Medien zu platzieren - aber zum Glück gibt es ja Twitter. Und so sorgt Erika Steinbach mit einer kleinen Nachhilfestunde in Etymologie für Furore: Die NSDAP war ja eine linke Partei, denn bekanntlich steht das "s" ja für "sozialistisch".
Für zwei Politiker ist es im Februar Zeit, den Hut zu nehmen: Duisburgs Oberbürgermeister Sauerland wird gut anderndhalb Jahre nach der Loveparade-Katastrophe aus dem Amt gewählt, Wulff geht mehr oder minder freiwillig bei vollen Pensionsansprüchen. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Voßkuhle, wird gefragt und lehnt ab - eine gute Entscheidung, wie sich noch zeigen wird.
Ansonsten passiert nicht viel, weshalb sich die Medien mit Berichten überschlagen, wie kalt es in Deutschland ist. Unter gehen dabei die Meldungen, dass auch die Polizei im Social Media-Zeitalter angekommen ist sowie ein Urteil zur Schadensersatzpflicht Deutschlands aus dem zweiten Weltkrieg.

März
Im März streichelt Wulff dann endlich seinen großen Zapfen - ein Vorgang, der den Vuvuzelahändlern Berlins vor der EM noch einmal das Geschäft versüßt. In Russland ist man etwas disziplinierter und wählt wieder Putin, oder Medwedjew, je nach dem, wer von beiden gerade an der Reihe war, und auch in Uganda wird es eng für die Rebellen: Kony 2012, das Beste Beispiel, wie man mit einer Kampagne Aufmerksamkeit für ein Land erzeugen kann, dessen Namen man davor und auch 20 Tage danach vermutlich nicht einmal buchstabieren kann.
Schlagzeilen macht jedoch vor allem eine Umfrage des Innenministeriums:
So wird ermittelt, dass ein großer Teil der jungen Muslime in Deutschland sich selbigen gar nicht so zugehörig fühlen. Ob es vielleicht auch daran liegt, dass in unserer grandiosen Demokratie eine gewisse Zeitung noch vor dem Parlament über derartige Studien informiert wird, konnte nicht ermittelt werden.
Der März war, das muss man im Rückblick einfach mal sagen, kein sonderlich freundlicher Monat:
Viele Städte im Westen forderten die Abschaffung des Solis, Hartz IV für EU-Einwanderer sollte gestrichen werden, die Transfergesellschaft für Schlecker scheitert. Richtig hässlich wird es in Toulouse, wo ein wildgewordener Islamist Amok läuft. Deutschland zeigt sich allerdings auch nicht gerade von der Schokoladenseite, als die sonst als entspannt geltenden Ostfriesen in Emden beinahe zur Lynchjustiz gegen einen Unschuldigen greifen.
Doch auf einmal gibt es einen Lichtblick, und der kommt - man denke an Mariä Empfängnis - aus dem Nahen Osten: Israel loves Iran. Leider keine allgemeingültige Formel, aber immerhin eine vielbeachtete Aktion.
Tja...ansonsten...politisch...ach ja: Wir haben einen neuen Bundeschristian, auch wenn der jetzt Joachim heißt. Wäre ja mal interessant, wenn in Ägypten durch eine derart indirekte Kammer wie die Bundesversammlung ein Religionsgelehrter, der sich "sola scriptura" verbunden fühlt, gewählt würde...
29.12.12 17:46


Ein Land namens

Heute geht die Welt unter. Ganz unrealistisch ist das tatsächlich nicht:
Der Iran steht seit 20 Jahren kurz vor der Fertigstellung seiner Atombombe und Nordkorea hat das Zeug, das Zeug ins All zu schiessen. Beide Länder werden von ihren nahen und entfernten Nachbarn rund um die Uhr beaugapfelt, und wer da nicht an die Geschichte von Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow denkt, der kennt sie vermutlich schlicht noch nicht.
Aber auch Mutter Natur hält ihre Spaßbremsen im Anschlag: Rund 4700 potentiell gefährliche Asteoriden fliegen uns tagtäglich um die Ohren - schätzt man. Gefunden hat man davon nämlich bisher 20-30%, und wenn mich meine Mathefähigkeiten gerade nicht ganz im Stich lassen, ist da noch etwas Luft nach oben.
Und ganz persönlich bleibt einem natürlich das allgemeine Risiko, Gevatter Hein frühzeitig über den Weg zu laufen. Ist dann zwar kein Weltuntergang, aber bis auf die wegfallende Schlange an der Himmelspforte macht es für den einzelnen auch keinen Unterschied.

Egal, wie es kommt: Der Kalender der Mayas wird vermutlich wenig mit den Ereignissen am Wochenende zu tun haben. Da sind sie allerdings in bester Gesellschaft - in keiner Beziehung zu ihm steht nicht nur die Aussage, dass die Apokalypse am Freitag startet, sondern auch seine eigene Darstellung: Das Bild, das seit Monaten jeden Bericht zum Thema ziert, zeigt einen Kalender der Azteken.
 

 
Es ist schon eine Crux mit der Geschichte: Auf der einen Seite regt man sich auf, wenn Touristen in Hamburg nach Deutschen mit Lederhosen fragen; auf der anderen Seite werden hier zwei Kulturen verwechselt, die 500 Jahre und auch ein paar Kilometer (bildblog spricht von 1000) voneinander entfernt existierten. Mit einer ähnlichen Toleranz könnte man auch Lateinschülern ägyptische Hieroglyphen vorsetzen - ist ja auch beides lange her und irgendwo in der Nähe vom Mittelmeer.

Schön wäre es ja, wenn man dieses - sagen wir mal: Desinteresse - auf die Vergangenheit beschränken würde. Wer jedoch heutzutage die Staaten Südamerikas zuordnen kann gehört schon fast zur Bildungselite. Ich will mich da nicht ausnehmen: Der große Boppel rechts ist Brasilien, der längliche links Chile, alles andere südlich von Mexico wird schwierig. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn ein Argentinier Belgien mit Luxemburg verwechselt.

Erst vor kurzem war ich mit einer Truppe im Auto unterwegs, die sich echauffierte, wie wenig "Die Amis" über Europa wussten. "Die halten die EU vermutlich für einen einzigen Staat und wissen gar nicht, dass das unterschiedliche Länder sind", tönte es sauschlau vom Rücksitz.
Mal ganz davon abgesehen, dass die EU mittlerweile eine Verfassung, einen Außenminister und ein Parlament hat, das ein gutes Drittel unserer Gesetze bestimmt: In solchen Momenten frag ich mittlerweile ganz gerne zurück, ob Simbabwe eigentlich Mitglied der Afrikanischen Union ist. Dass es eine solche überhaupt gibt, ist für die meisten bereits eine Überraschung. Dabei ist die Mitgliederstruktur deutlich einfacher als bei der europäischen - wer sich 30 Sekunden damit beschäftigt hat und sich zwei Staatsnamen merken kann, dürfte künftig keine Probleme mehr mit der Zuordnung haben.
Aber man müsste sich halt mal dafür interessieren. Auch hier will ich nicht den Klugscheisser raushängen lassen: Den Maghreb krieg ich noch einigermaßen unfallfrei zugeordnet, Madagaskar und Südafrika (welch Wunder) auch, aber dazwischen - tja...

Gerade bei Afrika scheint jedoch sogar die Erkenntnis zu fehlen, dass es Staaten sind, die sich zwischen Mittelmeer und dem Kap tummeln:
Unvergessen ist mir eine Ausgabe von "buten und binnen", die eine tolle Kulturveranstaltung in Bremerhaven beschrieb. Künstler aus ganz vielen verschiedenen Ländern waren da, aus der Schweiz, aus Frankreich, Italien und aus Afrika!
Toll, damit haben wir es ja 55 Staaten beschränkt (soll mir keiner erzählen, die Redakteure hätten ein Problem mit Marokko), in denen insgeamt über eine Milliarde Menschen wohnen. Für den Heimatsender eines SPD-Bundeslandes schon etwas oberflächlich...
Es ist halt "Afrika". Und Afrika bedeutet Wüste, Aids sowie hungrige Nickneger, die außer Tanzen nichts auf die Reihe kriegen und über jeden Bissen Brot dankbar sind. Gutherzige Europäer verbringen ihre Zeit gerne als selbsternannten "Entwicklungshelfer"; sie meinen, nach dem Abi ohne Sprach- oder sonstige Kenntnisse mal eben auf den Kontinent fliegen und dort effektiv den Hunger bekämpfen zu können. Im Gegensatz zu dieser kolonialen Sichtweise ist man auf den Rassismus von bekennenden Nazis wenigstens vorbereitet...
(Ich will hier nichts gegen echte Entwicklungshilfe sagen: Mich regen nur die Leute auf, denen ihre europäische Abstammung als Qualifikation ausreicht)

Ob die Welt heute untergeht - ich weiß es nicht. Viel größere Sorgen macht mir jedenfalls das Szenario, dass sie morgen noch genauso aussieht wie gestern.
21.12.12 06:52


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