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Stör mich nicht mit Fakten!

Schmarotzer oder Unterdrücker - die Qual der Wahl hat derzeit jeder, der sich in der Debatte um das Leistungsschutzrecht äußern möchte.
Auf der einen Seite: Ein hehres Unternehmen, gegründet von gutherzigen Nerds in einer Garage, um orientierungslosen Internetnutzern hilfreich wie ein altpreussischer Schutzmann den Weg zu ihren Zielseiten zu weisen. Auf der anderen Seite: Edle demokratische Institutionen, die als einzige seit Jahrhunderten den mündigen Bürger über die Exzesse der Politik aufklären und dabei täglich ihr Leben aufs Spiel setzen.
Im Grunde ist es egal, auf welche Seite man sich stellt: Beide haben einen gewissen Mehrwert für die Gesellschaft, versuchen dabei allerdings, selber auch Geld zu verdienen. (Nichts allzu ungewöhnliches in einer kapitalistischen Weltwirtschaft - für viele aber dennoch kompromittierend)
Ich will auch gar nicht behaupten, dass die Verlage mit ihrer Forderung völlig daneben liegen, denn natürlich können die zusammengestellten Schlagzeilen auch Besucher kosten: Diejenigen Besucher nämlich, die aus irgendwelchen Gründen nur die Schlagzeilen lesen wollen oder können und das dann eben auf der Newsseite tun anstatt bei den Verlegern selber.
Interessanterweise wird so aber kaum argumentiert: Gerade die Unterstützer der Verlage zeichnen gerne ein Bild, in dem Google News nicht nur von Werbung überschwemmt ist, sondern die hilflosen Artikel auch noch im Volltext bloßstellt. Anscheinend hasst man den Konzern so sehr, dass man seine Seite durch keinen einzigen View unterstützen will, und sei es nur, um sich mal zu vergewissern, worüber man überhaupt redet.

In anderen Fällen würde es auch einfach nur reichen, mal für einen Moment innezuhalten, zehn Atemzüge zu zählen und sich seinen Post nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Beispielsweise würde ich ja von niemandem verlangen, sich ernsthaft die Datenschutzrichtlinien des Gesichtsbuches durchzulesen (auch wenn die deutlich klarer sind als immer bemängelt...). Ich erwarte auch nicht, dass man sich auf dem laufenden hält, was die Änderungen derselben angeht. Ich gestehe den Leuten ja sogar zu, dass sie meinen, einzelnen Passagen aus den AGB widersprechen zu können - auch wenn das im realen Leben witzige Auswirkungen haben könnte. ("Klar nehm ich das Mettbrötchen, aber der Part mit dem Bezahlen, darüber reden wir nochmal, gell?"  )
Wenn aber jemand ernsthaft meint, jeder seiner Statusmeldungen würde von einem Mitarbeiter des sozialen Netzwerkes gelesen und auf rechtswirksame Erklärungen untersucht, geht die gesunde Paranoia langsam in dachschädigende Selbtsüberschätzung über.

Wenn es um Meinungen geht, scheint Information völlig nebensächlich: Seien es Rebecca Black oder Justin Bieber, Goethe, Roche oder das aktuelle TV-Nachmittagsprogramm - jeder hat seine Meinung dazu, egal ob sie jetzt durch eigenes Erleben fundiert oder schlicht nacherzählt ist. Eines der merkwürdigsten Beispiele liefert hier mal wieder der beschämenste Teil der österreichisch-deutschen Literatur des letzten Jahrhunderts: Ich kenne niemanden, der "Mein Kampf" nicht für ein grottenschlechtes, hochgestochenes und dadurch lächerliches Büchlein hält. Komischerweise hat sich keiner dieser Leute jemals mehr als eine Seite dieses Schinkens durchgelesen. Also ist entweder der Führer a.D. der einzige, dessen Urheberrecht noch respektiert wird, oder aber die Leute sind einfach faul. An der Unfähigkeit, sich ein Exemplar zu besorgen, kann es kaum liegen: Der Volltext ist derart verbreitet, dass ich allein 2012 drei mal versehentlich darüber gestolpert bin.

Und das gilt doch mittlerweile für jede erdenkliche Information:
Anderndhalb Millonen Artikel sind es, die uns allein die deutschsprachige Wikipedia in sekundenbruchteilen anbietet. Ungezählt sind die Diskussionen in den Kneipen dieser Welt, die durch das Zücken eines Smartphones jäh abgebrochen wurden.
Aber ausgerechnet dann, wenn Leute ihren Beitrag zu diesem weltweiten Wissensschatz leisten oder ihre Meinung der Weltöffentlichkeit preisgeben wollen - ausgerechnet dann ist ein kleiner Blick in die Fakten zu viel verlangt...
14.12.12 20:51


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Tears of Movember

November. Die bunten Blätter der Bäume haben sich in eine rutschige braune Pampe am Boden verwandelt, die lustigen Gesichter in den Kürbissen sind zu verschimmelten Fratzen heruntergekommen und wenn die Wolkendecke doch einmal aufreißt, dann nur, um die Luft noch weiter auszukühlen.

Wem all diese Eindrücke nicht reichen, um in die allgemein melancholische Stimmung zu kommen, dem seien hier drei Fragen an die Hand gegeben, die mich persönlich verwirren oder gar deprimieren.

1. Woran merkt man eigentlich, dass es Zeit wird für neue Sicherheitsstiefel? Aus der Mode kommen die ja nicht, und warten, bis die Sohle abfällt, ist vielleicht auch keine gute Idee...

2. Warum blühen nicht wenigstens die Windbestäuber im Herbst, wenn es doch deutlich stürmischer zugeht? Die Pollen würden weiter getragen und die Allergiker hätten Heuschnupfen und Erkältung in einem Rutsch durch.

3. Aus aktuellem Anlass: Wann wird endlich ein Pflaster erfunden, dass beim Abziehen nicht stärker schmerzt als die Wunde, auf die man es gepappt hat?
20.11.12 22:11


Einen wunderschönen Moment lang...

 

Da macht einem die Tagesschau solche Hoffnungen, und dann geht es nur um eine Forderung des Abgebildeten...

21.10.12 18:51


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