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Russland, ein Reisebericht: Teil 3

"Die Stadt, die mich in Atem hält" (Rammstein)

Tag 2:
Gegen 10 Uhr mache ich in meinem Zimmer, dass in südöstliche Richtung zeigt, erste Bekanntschaften mit dem kontinentalen Klima. Allein in Boxershorts schon schwitzend und panisch das Anziehen der restlichen Kleidung erwartend komme ich zu dem Schluss, dass der gestrige Hinweis, ich könne bei Kälte ruhig mein Fenster zumachen, wohl eine traditionell hinterlistige Familienverarsche ist. Aus Gastlichkeit beschliesse ich jedoch, auch in Zukunft nicht lauthals loszulachen, wenn man mich fragt, ob ich friere.
Im Sitzen geduscht geht es los auf einen Ausflug. Dabei erlebe ich noch einmal das russische Fütterungsbedürfnis: Wir haben keine Zeit und keinen Hunger, dafür aber 4 Cheeseburger und zwei Bigmacs, also macht mal hinne!
Noch spektakuläre ist die russische Version des Hunderennens: Einige überwiegend dicke Leute rennen mit ihren Hunden an der Leine im Kreis mit Durchmesser gegen 30 Meter, und aus irgendeinem Grund ist der eine besser als der andere und kommt eine Runde weiter.
Ein wirklich geheimnisvolles Land.
Tag 3:
Nach zwei Tagen im fernen Osten hat sich meine Nase endlich an die fremden Pollen gewohnt und beginnt mit dem Heuschnupfen. Die besorgte Oma bemerkt es und möchte mir helfen. Als sie den Wohnzimmerschrank öffnet und eine Plastiktüte hervorkramt befürchte ich schon, mit irgendwelchen Medikamenten in einen Zustand jenseits von Gut und Böse geschossen zu werden (Moment, wieso schreibe ich "befürchte"?), doch weit gefehlt: Die russische Medizin ist der hiesigen schon weit vorraus, hier heilt helles Licht. Die Dame gibt mir eine Wärmelampe samt Hohlspiegel zur Energiebündelung in die Hand, weist mich an, mir damit bei geschlossenen Augen volle Möhre ins Gesicht zu heizen und versichert mir, dass es gut sei. Ich brutzele also mein heuschnupfengezeichnetes Antlitz und siehe da: Nach fünf Minuten ist meine Nase tatsächlich wärmer! Die Frage nach dem tieferen Sinn verkneife ich mir im Gedenken an die Szene mit dem Handyakku am ersten Tag.
Später geht es ins "Technikmuseum" (Autos und Panzer), und abends lerne ich dann, wie man nach einer kleinen Pizza (Durchmesser lasche 30 Zentimeter) noch eine Portion Bratkartoffeln verdrücken kann, um nicht die Mühen seiner Gastoma zunichte zu machen.
Tag 4:
Russland wurde nie besiegt. Nur zwei mal. Und das war Absicht. Man hat sowohl die einfallenden Französischen wie Deutschen Truppen einfach ins Land gelassen, um seine Kräfte rund um Moskau zu sammeln und die Feinde wieder hinauszujagen.
Das ist die Grundaussage eines großen Denkmals, dass uns beim Tagesausflug in Moskau gezeigt wird. In der daneben angrenzenden Straße treffen wir auf einige Panzer, die die Macht und Stärke der russischen Förderation demonstrieren sollen und von spielenden Kindern als Klettergerüst verwendet werden. Ich kichere beim Gedanken daran, wie die deutsche Politesse verzweifelt versucht, bei diesen Monstern die Scheibenwischer zu finden, da sie falsch parken und zudem kein Nummernschild tragen, doch dank der Umweltzonen wird das eh kritisch.
An der nächsten Station, einer von den Kommunisten zerstörten und vor 15 Jahren durch Spendengelder wiedererbauten Kirche, lerne ich endlich mal die Autorität kennen: Mit den Worten "No Shorts" verweist der Wächter noch vor den Metalldetektoren die wunderschönen Beine meines Astralkörpers des Gotteshauses. Wäre doch auch schrecklich, wenn man sichtbare Knöchel, die nicht zu hübschen Mädchenbeinen gehören, in den Tempel lassen würde, die dann die Touristen in ihrer andächtigen Stille stören könnten...
Auch mein Versuch, auf der Treppe vor dem Gebäude sitzend auf den Rest der Gruppe zu warten, wird mit den Worten "stand up" unterbrochen, wobei auch hier für andere noch ein Auge zugedrückt wird. Aber sitzen UND Knöchel geht halt nicht.

Die Moskauer Kehrmaschinen, die wir anschliessend kennenlernen dürfen, machen richtig Spaß: Sie spritzen mit kräftigen Wasserstrahlen den Dreck an die Seite und die Leute dort nass.

Am Roten Platz angekommen zeigt der geschichtskritische Teil des Landes sein Gesicht: 50 Meter vom Grab des unbekannten Soldaten, wo die Elitegarde wachehält (ich habe keine Ahnung, was die Jungs militärisch draufhaben, aber dass sie diesen von Touristen begafften und gefilmten Stechschritt ohne Grinsen durchhalten, hat mich echt beeindruckt), sitzen die Imitatoren von Lenin und Stalin und lassen sich mit Touris fotographieren. Um die Ecke steht ein Kommunist mit roter Fahne und wünscht sich das alte System und uns nach Sibiren.
16.8.09 09:56
 
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