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Russland - ein Reisebericht: Teil 4

"Wirf die Gläser an die Wand, Russland ist ein schönes Land" (Dschingis Khan, die Band)

Tag 5
Ich trinke ein rohes Ei.
Nachdem wir morgens unsere Pässe zum Rathaus bringen mussten, um einen Stempel zu bekommen, der unseren Aufenthalt bestätigt, und ich dabei endlich mal das Surren von Hochspannungsleitungen hören durfte, treffe ich am Nachmittag mal wieder den gutgelaunten Opa. Er bietet mir zuerst mal ein hartgekochtes Ei an, was ich auch gerne esse. Danach möchte er, dass ich eine Knoblauchzehe verspeise mit der Versicherung, es mache stark. Meine Gastschwester interveniert empört, weil sie noch länger in meiner Nähe ausharren muss (arme Sau).
Schliesslich bietet er mir noch ein Ei an. Mir hat das eine schon gereicht, darum lehne ich ab und schaue dann umso erstaunter, wie er sich ein Loch ins stumpfe Ende sticht, Salz hineinschüttet und das ganze in einem Zug herunterkippt. Ich tue es ihm gleich. Schmeckt interessant.*)
So langsam halte ich den Moment für angemessen, für "später" um ein Gläschen Wodka zu bitten. Das gibt zwei Reaktionen: Das Gesicht des Großvaters hellt sich merklich auf, das Wort "später" ignorierend gibt er mir genau den erbetenen Mililiter und befiehlt, gleich hinterher einen kräftigen Schluck "Kvass" (ein alkoholfreies russisches Nationalgetränk, irgendwo zwischen Malzbier und Essig) zu nehmen. Anschliessend fragt er mich sogar, ob er auch einen heben kann und freut sich noch mehr über meine Güte.
Meine Gastschwester beginnt schon im Wohnzimmer, als der Schnaps geholt wird, Protest einzulegen (nicht, ohne vorher den Sitz der Frisur im Spiegel des Schrankes zu überprüfen), den ich glücklicherweise nicht verstehe und somit keine Gewissensgebisse habe, ihn zu ignorieren. Anschliessend verzieht sie beim Beschnuppern des inzwischen leeren Glases demonstrativ das Gesicht, um dann die Kunde telefonisch der besten Freundin zu übermitteln.
Deren Reaktion kenne ich aus den Erzählungen ihres Austauschpartners, sie bestand offenbar aus einem Bleichwerden mit anschliessendem hysterischem Gelächter, dass danach klang, als hätte ich "die Flasche angesetzt, ausgetrunken und danach ein Tänzchen auf dem Tisch veranstaltet".
Ich weiß nicht, aber irgendwie verwundern mich diese Prioritäten bei einem Volk, dass für seinen Wodka doch wesentlich bekannter ist als für seine rohen Eier....
Am Abend erlebe ich dann einen echten russischen Sturm, der gegenüber mal eben einen Ast mit Durchmesser von so ca 20-30cm **) abreisst. Unsere Austauschpartner versichern jedoch, dass so etwas nicht der Normalität entspricht.
Tag 6
Tja, wie das halt so ist mit den Stempeln. Ist nett, wenn man sie bekommt. Ist doof, wenn man sie nicht bekommt: Die Russen sind ein sehr gastfreundliches Volk. So gastfreundlich, dass sie uns am liebsten noch eine Woche dabehalten möchten und uns deshalb am Vortag die Stempel verweigerten, wie wir heute erfahren. Nach einigen längeren Verhandlungen und der Zusage, dass wir es nicht als unhöflichen Rausschmiss empfinden werden, sichert man uns die Heimreise zum vereinbarten Termin zu.
Danach beginnt eine Zeit der Führungen. In Russland gab es scheinbar zwei Kriege, den napoleonischen und den zweiten Weltkrieg, weshalb man beide mit Museen ausschlachten muss. Interessant ist es sicherlich, aber eine Führung zu einem Gemälde, in der jedes dargestellte Pferd und jeder Soldat dargestellt wird, lässt jenes Interesse doch ein wenig erlahmen.(Auf das Gemälde selbst jedoch lasse ich nichts kommen.) Gleiches gilt für einen Park mit Palastanlage.
Am Abend geht es dann noch in den russischen Staatszirkus. Ich habe mich bei einigen Freunden rückversichert, dass es wohl nichts gibt, was mit den Worten "ALTER VERWALTER" nicht gesagt wäre. Wortreichere Gesellen würden nur eventuell noch ein "wow!" anhängen.











*)Keine Aufforderung, sich mit rohen Eiern eine Salmonellenvergiftung, Vogelgrippe oder Erstickungsanfälle durch Aspiration von Schalenstücken einzufangen.
*)) Man verzeihe mir die Feigheit, nicht genauer nachgemessen zu haben
8.9.09 16:04
 
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