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Ein Land namens

Heute geht die Welt unter. Ganz unrealistisch ist das tatsächlich nicht:
Der Iran steht seit 20 Jahren kurz vor der Fertigstellung seiner Atombombe und Nordkorea hat das Zeug, das Zeug ins All zu schiessen. Beide Länder werden von ihren nahen und entfernten Nachbarn rund um die Uhr beaugapfelt, und wer da nicht an die Geschichte von Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow denkt, der kennt sie vermutlich schlicht noch nicht.
Aber auch Mutter Natur hält ihre Spaßbremsen im Anschlag: Rund 4700 potentiell gefährliche Asteoriden fliegen uns tagtäglich um die Ohren - schätzt man. Gefunden hat man davon nämlich bisher 20-30%, und wenn mich meine Mathefähigkeiten gerade nicht ganz im Stich lassen, ist da noch etwas Luft nach oben.
Und ganz persönlich bleibt einem natürlich das allgemeine Risiko, Gevatter Hein frühzeitig über den Weg zu laufen. Ist dann zwar kein Weltuntergang, aber bis auf die wegfallende Schlange an der Himmelspforte macht es für den einzelnen auch keinen Unterschied.

Egal, wie es kommt: Der Kalender der Mayas wird vermutlich wenig mit den Ereignissen am Wochenende zu tun haben. Da sind sie allerdings in bester Gesellschaft - in keiner Beziehung zu ihm steht nicht nur die Aussage, dass die Apokalypse am Freitag startet, sondern auch seine eigene Darstellung: Das Bild, das seit Monaten jeden Bericht zum Thema ziert, zeigt einen Kalender der Azteken.
 

 
Es ist schon eine Crux mit der Geschichte: Auf der einen Seite regt man sich auf, wenn Touristen in Hamburg nach Deutschen mit Lederhosen fragen; auf der anderen Seite werden hier zwei Kulturen verwechselt, die 500 Jahre und auch ein paar Kilometer (bildblog spricht von 1000) voneinander entfernt existierten. Mit einer ähnlichen Toleranz könnte man auch Lateinschülern ägyptische Hieroglyphen vorsetzen - ist ja auch beides lange her und irgendwo in der Nähe vom Mittelmeer.

Schön wäre es ja, wenn man dieses - sagen wir mal: Desinteresse - auf die Vergangenheit beschränken würde. Wer jedoch heutzutage die Staaten Südamerikas zuordnen kann gehört schon fast zur Bildungselite. Ich will mich da nicht ausnehmen: Der große Boppel rechts ist Brasilien, der längliche links Chile, alles andere südlich von Mexico wird schwierig. Aber ich hätte auch kein Problem damit, wenn ein Argentinier Belgien mit Luxemburg verwechselt.

Erst vor kurzem war ich mit einer Truppe im Auto unterwegs, die sich echauffierte, wie wenig "Die Amis" über Europa wussten. "Die halten die EU vermutlich für einen einzigen Staat und wissen gar nicht, dass das unterschiedliche Länder sind", tönte es sauschlau vom Rücksitz.
Mal ganz davon abgesehen, dass die EU mittlerweile eine Verfassung, einen Außenminister und ein Parlament hat, das ein gutes Drittel unserer Gesetze bestimmt: In solchen Momenten frag ich mittlerweile ganz gerne zurück, ob Simbabwe eigentlich Mitglied der Afrikanischen Union ist. Dass es eine solche überhaupt gibt, ist für die meisten bereits eine Überraschung. Dabei ist die Mitgliederstruktur deutlich einfacher als bei der europäischen - wer sich 30 Sekunden damit beschäftigt hat und sich zwei Staatsnamen merken kann, dürfte künftig keine Probleme mehr mit der Zuordnung haben.
Aber man müsste sich halt mal dafür interessieren. Auch hier will ich nicht den Klugscheisser raushängen lassen: Den Maghreb krieg ich noch einigermaßen unfallfrei zugeordnet, Madagaskar und Südafrika (welch Wunder) auch, aber dazwischen - tja...

Gerade bei Afrika scheint jedoch sogar die Erkenntnis zu fehlen, dass es Staaten sind, die sich zwischen Mittelmeer und dem Kap tummeln:
Unvergessen ist mir eine Ausgabe von "buten und binnen", die eine tolle Kulturveranstaltung in Bremerhaven beschrieb. Künstler aus ganz vielen verschiedenen Ländern waren da, aus der Schweiz, aus Frankreich, Italien und aus Afrika!
Toll, damit haben wir es ja 55 Staaten beschränkt (soll mir keiner erzählen, die Redakteure hätten ein Problem mit Marokko), in denen insgeamt über eine Milliarde Menschen wohnen. Für den Heimatsender eines SPD-Bundeslandes schon etwas oberflächlich...
Es ist halt "Afrika". Und Afrika bedeutet Wüste, Aids sowie hungrige Nickneger, die außer Tanzen nichts auf die Reihe kriegen und über jeden Bissen Brot dankbar sind. Gutherzige Europäer verbringen ihre Zeit gerne als selbsternannten "Entwicklungshelfer"; sie meinen, nach dem Abi ohne Sprach- oder sonstige Kenntnisse mal eben auf den Kontinent fliegen und dort effektiv den Hunger bekämpfen zu können. Im Gegensatz zu dieser kolonialen Sichtweise ist man auf den Rassismus von bekennenden Nazis wenigstens vorbereitet...
(Ich will hier nichts gegen echte Entwicklungshilfe sagen: Mich regen nur die Leute auf, denen ihre europäische Abstammung als Qualifikation ausreicht)

Ob die Welt heute untergeht - ich weiß es nicht. Viel größere Sorgen macht mir jedenfalls das Szenario, dass sie morgen noch genauso aussieht wie gestern.
21.12.12 06:52
 
Letzte Einträge: Aaand it's over - 2012 Teil II, Aaand it's over - 2012 Teil III, Vorsätze für lau!



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