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Aaand it's over - 2012 Teil IV

Oktober
Der Herbst beginnt, und mit den Blättern färbt sich auch die politische Landschaft rot: Die Troika wird aufgelöst und Peer Steinbrück ganz offiziell als Kanzlerkandidat der SPD ausgerufen. Sein Kollege Volker Beck schafft es mit einer Beleidigung eines JU-Politikers in die Schlagzeilen, und in Stuttgart geht mit Fritz Kuhn ein Grüner ins Rathaus. Das ZDF berichtet sogar über einen Parteitag der Sozen, obwohl das der CSU Pressesprecher noch verhindern wollte.
Auch sonst bekleckert sich die Regierung nicht gerade mit Ruhm: Die ehemalige Universität von Shavan erstattet Anzeige wegen der Plagiatsvorwürfe, das neue Wahlrecht setzt ein eindeutiges Zeichen in Zeiten der Eurokrise und von der Verteilung der Kosten aus der Energiewende wollen wir hier erst gar nicht anfangen.  Schon zu Beginn des Monats ist darüber hinaus klar, dass sämtliche Atommeiler in der Europäischen Union dringend nachgerüstet werden müssen. Da hilft es wenig, dass die Praxisgebühr wegen akuter Sinnlosigkeit gestrichen wird - die Stimmung bleibt schlecht. Die Diskussion um die Transparenz der Nebeneinkünfte hinterlässt ebenfalls nur Verlierer.
Im Grunde sind das allerdings noch First World Problems - in Pakistan zeigen die Taliban stattdessen ihre wirklich hässliche Fratze: Dort wird ein junges Mädchen aus dem Schulbus gezerrt und erhält einen Schuss ins Gesicht, weil es sich für die Bildung von Frauen eingesetzt hat. Das Erstaunliche: Schädel siegt über Blei, die kleine überlebt und die Kerle bekommen hoffentlich einen Eintrag im Duden unter dem Stichwort 'erbärmlich'.
Wenn man diese Sitten als Vergleichsmaßstab ansetzt, ist es natürlich kaum verwunderlich, dass die EU den Friedensnobelpreis 2012 erhält, und im allgemeinen Rausch der Harmonie und Versöhnung (solange es nicht um Zigeuner geht) schlägt das Kabinett auch noch ein Gesetz vor, das Beschneidungen legalisiert.

November
Es sind drei Abstimmungen, die den November prägen. Weltpolitisch am bedeutendsten ist dabei die Urwahl der Grünen über ihre Spitzenkandidatenduo - Claudia Roth verliert und macht anschließend die Erfahrung, dass es neben "Shitstorms" auch "Candystorms" geben kann. Nachdem der Po genug gezuckert wurde stellt sie sich ein paar Tage später der Wahl zur Bundesvorsitzenden, und siehe da: Ein fulminanter Sieg. Streng genommen gab es aber auch keinen Gegenkandidaten.
Die Zweite Wahl findet innerhalb der UN statt: Die Palestinenser erhalten Beobachterstatus und sind künftig mit dem Vatikan vergleichbar. Deutschland - schon immer für seine klare Kante berühmt - gibt in der Abstimmung ein klares "jein" zu Protokoll und enthält sich diplomatisch.
Die dritte Wahl...ach ja, genau, Obama bleibt Präsident in Amerika.
Wie aufs Stichwort eskaliert daraufhin der Nahost-Konflikt. Deutsche Medien bringen es dabei tatsächlich fertig, den Raketenbeschuss der Hamas als "Reaktion" auf Israelische Angriffe zu bezeichnen - ohne zu erwähnen, dass die Dinger seit elf Jahren regelmäßig blind in die Städte gefeuert werden. Mittlerweile vertragen sich die beiden Streithähne wieder etwas, wobei der nächste Konflikt wohl wieder nur eine Frage der Zeit sein wird.
Der momentan deutlich heißere Kochtopf in der Region - Syrien - läuft gleichzeitig ebenfalls über: Ein paar verirrte Raketen fliegen auf türkisches Gebiet, was zu einer Anfrage bei der Nato führt. Deshalb dürfen nun bald auch Deutsche Soldaten an die Grenze, um selbige vor syrischen Fliegern zu schützen, wobei sie gegen die bisherigen Angriffe gar nichts ausrichten hätten können.
Aber zurück ins Inland. Hier geht ein Richterspruch in die Geschichte ein, der an Unnötigkeit wohl schwer zu toppen sein wird:
Ein Arbeitgeber darf einen Krankenschein ab dem ersten Krankheitstag verlangen. Das hätte man durch einen Blick ins Gesetz zwar vorraussagen können, aber dann hätte es ja weder Gerichtsverfahren noch Pressemitteilung gegeben.
Eine andere Schlagzeile erhitzt die Gemüter allerdings noch mehr: Ramsauer will das Register in Flensburg reformieren, künftig reichen acht Punkte für den Führerscheinentzug! Dass es in Zukunft aber maximal drei Punkte pro Vergehen hagelt und die auch noch unabhängig voneinander ablaufen, wird nur klein erwähnt.
Ansonsten ist der November grau und braun: Der Armutsbericht der Bundesregierung kommt geschönt auf den Markt und in Ungarn fordert die drittgrößte Partei eine Erfassung aller im Land lebenden Juden. Während sich der Rest der Welt kollektiv an den Kopf fasst, nutzt die KP in China die Verwirrung, um ihren Führer auszutauschen - was im Gegensatz zur Wahl in den USA irgendwie kaum Beachtung findet. Google nutzt seine Position auch nur in eigener Sache, um gegen das geplante Leistungsschutzrecht Stimmung zu machen.
Ein weiterer Internetriese erregt mit einer extrem ungewöhnlichen Arbeit das Aufsehen der Nation: DEM BIRDY SEINEM BLOG seine Belegschaft beginnt mit der Arbeit für diesen Jahresabschluss. Also...beginnt. Mehr erstmal noch nicht. Aber immerhin. Und das noch vor dem...

Dezember
Das Jahr strebt dem Ende entgegen, und welches Symbol könnte dafür besser stehen als eine Rakete? Zum Beispiel die von Nordkorea, die tatsächlich in den Himmel fliegt, oder die der Hamas, die zwar eine Attrape bei der 50-Jahr Feier ist, aber trotzdem alles über die Einstellung der Jungs sagt. Für andere Extremisten wird es zumindest in Deutschland eng, hier wird ein neues NPD-Verbotsverfahren auf den Weg gebracht.
Die islamischen Fundis liefern allerdings ein weiters Kapitel für das Buch "gescheiterte Aktionen 2012" - da versucht jemand, eine Bombe in Bonn hochgehen zu lassen, und kriegt es wieder einmal nicht hin, den Kracher auch explosionsfähig zu bauen. Aber beschweren würd ich mich jetzt nicht darüber.
In Italien ist der Schrecken deutlich realer: Hier kündigt der Cavaliere an, sich erneut zur Wahl zu stellen, und allein dieser Satz löst Panik an den Börsen aus. Um die Märkte nicht weiter aufzuscheuchen bleibt es wenigstens bei der Klimakonferenz ruhig - lediglich das Kyotoprotokoll wird verlängert, weil es - wir sehen es ja dieser Tage am Wetter - so einzigartig gegen die globale Erwärmung geholfen hat.
Opel kündigt an, in Bochum künftig keine Autos mehr bauen zu wollen, aber Proteste gibt es nur in Nordirland: Dort geht man aufeinander los wegen...einer Flagge.
Grund für Kloppereien haben dagegen die Inder: Dort wird eine junge Frau zu Tode vergewaltigt, was zu einem Umdenken in der Gesellschaft führt. Hierzulande hingegen regt man sich über Kristina Schröder auf, die eine Diskussion über das Geschlecht Gottes vom Zaun bricht. Die EU beschenkt uns mit einer neuen Tabakrichtlinie, derzufolge bunte Bildchen auf den Packungen abschrecken und außerdem unter Anderem Mentholkippen vom Markt verschwinden sollen. Das ist allerdings kein Weltuntergang - genauso wenig wie der am 21.12.

Und so nimmt auch 2012 so langsam seinen Hut, und ich könnte mich immer noch fragen: Wars das? Nun...vermutlich nicht. Was in den 366 Tagen alles passiert ist, passt nie und nimmer in diesen Rahmen. Bestimmte Dauerbrenner habe ich auch weggelassen, weil sie sich kaum einordnen ließen - den Wahlkampf in den USA, das Hickhack um die Gleichgeschlechtlichen Ehen, die Eurorettung, den israelisch-iranischen Konflikt und die Enthüllungen rund um die NSU.
Und so ist es jetzt an der Zeit, nach vorne zu sehen: 2013 wird das erste Jahr seit einem Vierteljahrhundert, das mit vier komplett unterschiedlichen Ziffern aufwarten kann. Es wird wieder gewählt, es wird Konflikte geben und Versöhnungen. Man wird sich vor die Stirn schlagen, fremdschämen und trauern, und doch wird es Bilder geben, die uns rühren und einzelne Augenblicke, für allein sich das Leben bereits lohnt.
Was auch immer passiert, am Ende wird sich eine Vorhersage erfüllen, die meine Tageszeitung heute in breitestem Fränkisch verkündete:
2013 - des geht aa rum.
31.12.12 18:14
 
Letzte Einträge: Aaand it's over - 2012 Teil II, Aaand it's over - 2012 Teil III, Vorsätze für lau!



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