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Bitte zurücktreten!

Wer in einer Stadt zuhause ist, in der die Ansagen der U-Bahnen noch persönlich durch deren Fahrer ins Micro genuschelt werden, anstatt von einer immerfreundilchen Bandansage zu stammen, wird diese höfliche Aufforderung zu genüge kennen. Und er wird sich fragen, ob Deutschland eigentlich eine einzige U-Bahnhaltestelle ist.

Fangen wir mit etwas Bekanntem an (Mein Berater hat gesagt, dass sich das gut macht - schade, das er imaginär ist, sonst könnte ich ihn mal auf ein Bier einladen): Der gute alte Benedikt. Sacht nicht, dass er Kinderschänderei nicht so gut findet. Sagt auch nicht, dass man sowas aufklären muss (hätte er es gesagt, hätte man ihm vermutlich vorgeworfen, das Ganze nur kirchenintern aufarbeiten zu wollen), und wagt sogar zu bezweifeln, dass der Zölibat einzige Ursache für pädophile Neigungen sind. Dabei kann ich das aus eigener Erfahrung bestätigen: Nach nur einem Dutzend Jahren in Keuschheit begann sogar ich, mich für unschuldige zwölfjährige Mädels zu interessieren.
Also, der Papst muss zurücktreten!

Genauso Philipp Rölser. Während ein Großteil der Koaltion (zumindest gefühlt) noch gar nicht zu arbeiten angefangen hat, will der schon wieder aufhören und droht seinen Rücktritt an. Wie viel davon Kalkül und wie viel wirklicher Trotz war, kann ich hier natürlich nicht analysieren (immerhin ist einen guten Monat nach der Drohung noch immer im Amt), aber man wird das Gefühl nicht los, die FDP würde dem "normalen" Arbeitnehmer vor allem deshalb keinen starken Kündigungsschutz gönnen, weil nichtmal ihre Minister diesen genießen.

Den absoluten Abschuss im Rücktrittsranking hält derzeit aber ein deutscher Schauspieler. Wir erinnern uns:
In den 30er und 40er Jahren peitschen die Nationalsozialisten (nein, diesen Clown meine ich noch nicht mit dem Preisträger - sein Rücktritt war gerechtfertigt, ausserdem war er Österreicher) den Antisemitismus und Hass gegen Andersdenkende in der Bevölkerung hoch, um weniger Widerstand zu spüren, wenn man die Menschen millionenfach einsperren und umbringen ließ.
Da nun aber die sogenannte "Sauerland-Gruppe" nur durch absolute Inkompetenz in grundlegenden Fragen der Chemie zumindest verzögern konnte, dass heutzutage eine andere Weltreligion ins Visier des nächsten Rassenhasses gerät (da kritisiere noch einmal jemand das PISAgeprüfte Schulsystem), hielt es ein Aussenminister Deutschlands offenbar für nötig, mal wieder auf die vermeintlichen Asozialen einzuprügeln. (Die hatten beim Adolf übrigens auch ein eigenes Abzeichen auf der Sträflingsuniform.) Dass es auch hier Rücktrittsforderungen gehagelt hat, ist ebenso symptomatisch wie unbrauchbar - als ob sich Westerwelle derzeit an sein Ressort als Aussenminister halten würde.
Jetzt aber hat es doch glatt jemand gewagt, in der Verkleidung des Bruders Barnabas diese Hetze als solche zu enttarnen - und muss unter dem öffentlichen Druck zurücktreten*. Druck, wohlgemerkt, der nicht nur von den betroffenen Politikern kommt, sondern auch vom Zentralrat der Juden - jener Institution, die doch am ehesten wissen müsste, dass Hass und Hetze klein anfangen und man den Anfängen nicht erst wehren sollte, wenn die Krematiorien bereits laufen.

Wir brauchen uns unter diesen Umständen eigentlich nicht wundern, wenn sich bald nur noch die unfähigsten Gestalten und einige Masochisten, die einfach gerne kritisiert werden (an dieser Stelle herzliche Grüße an Sarazzin - ha'mse diesen Winter auch brav in Rollkragenpullis investiert?) auf den Wahllisten tummeln und sich danach lieber um den eigenen Geldbeutel kümmern, weil der sie wenigstens nicht beleidigt. Wer die Überbringer schlechter Botschaften aufhängt, braucht seine Herolde nicht mehr zur Wahrheitsliebe ermahnen - und solange man mit unrealistischen Versprechen Stimmen gewinnen kann, ist ein ehrlicher Wahlkampf schlicht nicht möglich.
Politik ist nunmal ein Geschäft, in dem es keine einfachen Lösungen gibt, sondern ein Geschäft der Kompromisse, die von fünf Betroffenen sieben unglücklich machen. Dummerweise muss man in einer Demokratie mit jedem dieser sieben (und mit noch einigen anderen, die daheim nie zu Wort kommen) extra verhandeln, jeden berücksichtigen und kann seine Karriere für beendet erklären, wenn die falschen Leute weniger mehr bekommen als andere.
Tut mir ja leid, dieses System war aber auch nicht meine Idee. An dieser Stelle könnte ein Zitat von Churchill stehen.








*Während der bayrische Rundfunk aus absolut unpolitischen Gründen die Wiederholung der Fastenpredigt zensierte, zeigt er auf seiner Homepage das personifizierte Böse zum Glück noch in Orginalform.
8.3.10 21:31
 
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